Kann uns Krankheit einen Mehrwert bringen?

Hallo,

während meiner Reha lernte ich sehr viele Menschen kennen, die unter CED´en litten. Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa, aber auch Reizdarm und Divertikulitis. Es fiel mir auf, dass es Parallelen in den Charakteren der jeweiligen Patienten, insbesondere bei den Morbus Crohn und den Ulcerosa-Patienten gab. Ein hoher Anteil zeichnete sich dadurch aus, dass sie zunächst einmal ernst und distanziert „rüberkamen“. Viele von ihnen versuchten immer mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und hatten einen Hang, ihre Projekte perfekt erledigen zu wollen. Das mag sich nun nach einem pauschalen Urteil anhören. Ich habe jedoch mit den allermeisten von ihnen in Gesprächsrunden verbracht und ihre Biografien geschildert bekommen. Es liegt auf der Hand, dass ich hier besonders genau hingehört habe, da ich selbst Betroffener bin. Vielleicht habe ich auch nach Parallelen gesucht, um Gründe dafür zu finden, warum auch bei mir diese Entzündungen ausbrachen.

Alle hatten bei Ausbruch ein ähnliches Alter. Bei einem Großteil ging es mit Mitte 20 los. Unter den Betroffenen war ich derjenige, der den längsten „Leidensweg“ hinter sich hatte und somit auch die Person, die mit der endgültigen Konsequenz konfrontiert war. So hörte ich mir an, dass viele glücklich waren, weil sie mit diesem und jenem Medikament „Ruhe“ im Darm hatten. Sie waren voller Euphorie. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass mir all diese Medikamente bekannt waren, da auch ich sie eingenommen hatte. Auch konnte ich die positiven Emotionen der Gesprächsteilnehmer nachvollziehen, denn auch ich hatte sie erlebt. Ich wünsche diesen Menschen, dass deren Hoffnung von Erfolg gekrönt sein wird!

Die Patienten berichteten, dass sie, neben dem Hang zum Perfektionismus, nach Anerkennung strebten. Sie arbeiteten nahezu alle länger als der Rest. Sie versuchten, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Sie versahen Arbeiten im „vorauseilendem Gehorsam“. Sie verglichen sich permanent mit ihrem Umfeld, sowohl privat als auch beruflich. Nahezu alle hatten ein sehr geringes Schlafbedürfnis. Was mir aber am meisten auffiel, war diese erschreckende Ernsthaftigkeit, die diese Personen ausstrahlten. Eine Ernsthaftigkeit, die sie unsympathisch erscheinen ließ. Selten sah ich in dieser Runde jemanden herzhaft lachen. Mein Eindruck war, dass deren Leben nur aus Druck bestand und sie das Leben eher als eine Last empfanden. Viele bestätigten diese Einschätzung. Zudem fiel mir die Melancholie auf, die in der Gruppe herrschte. Die Anfänge waren schwer. Schwer, weil es diesen Personen nicht möglich zu sein schien, über sich selbst zu reden. Immer wieder hörte ich, man wolle nicht „jammern“ und „sein Umfeld nicht mit den eigenen Problemen nerven“.

Je länger ich mich in dieser Gruppe aufhielt, umso mehr befiel mich ein Unbehagen. Ich konnte diese negativen Vibes nur schwer ertragen. Dabei wusste ich genau, dass ich mich in Vielem selbst wiederfand. Ich erkannte die Parallelen, die meinen Charakter viele Jahre zuvor ausmachten und sich auch jetzt noch immer wieder in Erinnerung rufen. Das war offensichtlich der Grund, warum ich mich in der Anwesenheit dieser Menschen so unwohl fühlte. Ich wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Sie entzogen mir jegliche positive Energie. Trotz all meiner Erfahrung und den wertvollen Erkenntnissen, die ich in meiner dreijährigen Psychotherapie im Rahmen eines Team-Settings gesammelt hatte, wurde ich erneut mit einer unschönen Wahrheit konfrontiert. Einer Wahrheit, die ein Schlüssel für das Entstehen von Autoimmunerkrankungen sein könnte. Ich hatte mich all die Jahre selbst abgelehnt, mich in ähnlich negativen Gedankenmustern verloren und so mich selbst bekämpft. Ja, ich war mir über all die Jahre selbst unsympathisch gewesen.

-Fortsetzung folgt-

Veröffentlicht von

Holger Röschmann

Geboren am 24.12.1965 in Eckernförde, Sternzeichen: Steinbock, Wohnhaft: Kiel, Zweijährige Ausbildung zum Psychologischen Berater Zweijährige Ausbildung zum Heilpraktiker, Ausbildung zum Psychologischen Berater (hier auch als Berater tätig gewesen), Keine Kinder, Hobbies: Sport, Yoga, Meditation, Lesen, viel Reisen, Blogger. Charakter: Querdenker, kommunikativ, vielseitig interessiert, offen.

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