Der Opferrolle entsagen

Hallo,

es ist immer schlimm, mit Schicksalsschlägen konfrontiert zu werden und einen geeigneten Umgang mit ihnen zu finden. Bei CED-Patienten fiel mir auf, dass ich häufig folgende Formulierungen hörte:

  • „Ich habe kein Glück“
  • „Das läuft nicht so, wie ich mir das vorstelle“
  • „Lieber wäre mir gewesen,…“

Sobald ihnen eine Sache gegen den Strich ging, äußerten sie sich nicht konkret, dass ihnen die Situation missfiel. Dafür flüchteten sie mit den Worten

  • „Da kann man dann wohl nichts machen“
  • „Das ist schade“
  • „Ist mir egal“

in einen Fatalismus. Dieser zeichnete sich aber nicht durch eine Weisheit aus, mit der man diese Situation gelassen akzeptierte. Die Patienten drückten dies in einem bedauernden Ton aus, der eher eine resignierende Hinnahme darstellte. Diese Menschen schluckten herunter und waren offensichtlich nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu kommunizieren. Für mich ergab sich folgender Rückschluss:

Der Tatsache, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht kommunizieren zu können und so die „Kröte zu schlucken“, machte die Menschen autoaggressiv. Sie waren von sich selbst enttäuscht, weil sie ihrem eigenen Anspruch nicht genügten. Unterbewusst waren sie sich vermutlich bewusst, dass sie durch ein derartiges Verhalten nicht authentisch lebten und offensichtlich auch so nicht wahrgenommen wurden. Das wiederrum widersprach ihrem Hang, perfekt sein zu wollen.

Andererseits zogen sie durch ihr Wehklagen und ihre Resignation, zumindest kurzfristig, die Aufmerksamkeit ihres Umfeldes auf sich, da dieses zunächst versuchte, sie zu unterstützen. Sie vermittelten durch ihr Verhalten das Gefühl, keine Wahl zu haben. Das manövrierte sie in eine Opferrolle, von der ich mir nicht sicher bin, ob sich der Eine oder Andere nicht gerne darin suhlte. Ihr Beklagen, offensichtlich ohne Optionen zu sein, vermittelte ihnen das Gefühl, die Sympathie der Menschen zu gewinnen. Als ich dies hörte, führte ich an, dass es wissenschaftliche Studien darüber gäbe, die besagen, dass eine größere Anziehung von den Menschen ausgeht, die souverän ihre Entscheidungen akzeptieren und so leben, wie sie es für sich beschlossen haben. Ich erntete großen Widerspruch. Bei vielen hatte ich jedoch das Gefühl, und das wurde in persönlichen Gesprächen auch immer wieder eingestanden, dass die Betroffenen deshalb keine hohe Meinung von sich hatten, weil sie Probleme nicht angehen bzw. lösen konnten. Könnte es somit sein, dass die Studien nicht ganz falsch lagen?

Meiner Meinung nach, kann man gerade als Erwachsener lernen, etwas anderes zu tun und deine jeweilige Situation positiv interpretieren, als das eigene Schicksal zu betrauern und zu beklagen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, in einer Opferrolle glücklich zu werden. Das wird niemand. Sich als Opfer darzustellen und zu definieren, ist und kann niemals die beste Wahl deiner Optionen sein. Letztendlich rührt dich dein Gejammere immer nur selbst. 

Ich denke, dass wir, die unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden, die Pflicht haben, uns zu reflektieren. Mit der Entzündung brennt ein selbstzerstörerisches Feuer in uns. Gehen wir offen und ehrlich mit uns um und sind wir bereit, flexibel mit einem achtsamen Verhalten uns verändern zu wollen, so bin ich davon überzeugt, dass der Brand gelöscht werden kann. Ich bin der Meinung, dass wir nie vergessen sollten, dass unser gesamtes Leben eine permanente Veränderung verlangt. Wer sich nicht verändern will, wer nicht aufgeschlossen den Aufgaben des Lebens gegenübertritt und wer nicht bereit ist, sich selbst zu überdenken, der stirbt oder ist schon gestorben.

„Du musst die Veränderung sein, die Du in der Welt sehen willst!“

*Ghandi

-Fortsetzung folgt-

Veröffentlicht von

Holger Röschmann

Geboren am 24.12.1965 in Eckernförde, Sternzeichen: Steinbock, Wohnhaft: Kiel, Zweijährige Ausbildung zum Psychologischen Berater Zweijährige Ausbildung zum Heilpraktiker, Ausbildung zum Psychologischen Berater (hier auch als Berater tätig gewesen), Keine Kinder, Hobbies: Sport, Yoga, Meditation, Lesen, viel Reisen, Blogger. Charakter: Querdenker, kommunikativ, vielseitig interessiert, offen.

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