Erste Erfolge nach Rückverlegung meines Dünndarmstoma / künstlicher Darmausgang

Nach sieben Monaten habe ich drei Nächte hintereinander durchgeschlafen. Zudem ist es mir zwischenzeitlich möglich, die Liegepositionen zu wechseln, ohne dabei Schmerzen zu empfinden. Sieben Monate nur auf dem Rücken schlafen zu können, ist schon eine Herausforderung. Nun kann ich sogar auf dem Bauch liegen.

Seit der Rückverlegung meines künstlichen Darmausganges, sind nun sechs Wochen vergangen. Ich habe bereits davon berichtet, dass es sehr viel Geduld, Kraft, Zuversicht, Motivation, mentale Stärke, Zuspruch von außen und Zielstrebigkeit erfordert, die Umstellungsphase zu verkraften. Dies entspricht einem Fakt und ist nicht meiner Jammerei geschuldet.

Seit nunmehr drei Tagen, muss ich innerhalb von 24 Std. (morgens sechs Uhr – morgens sechs Uhr) „nur noch“ sechsmal das WC aufsuchen. Ich nehme zwischen drei und fünf kleinere Mahlzeiten zu mir. Außerdem nehme ich wieder Gewicht zu. Es hat mir geholfen, akribisch eine Ernährungstabelle zu führen. Sie unterteilt sich wie folgt:

  1. Datum
  2. was wurde gegessen, Menge und zu welcher Uhrzeit
  3. wann folgen WC-Besuche?
  4. Anzahl der Durchfälle insgesamt
  5. Werden zusätzliche Medikamente oder unterstützende Methoden eingenommen oder durchgeführt? Hierbei handelt es sich um Loperamid, ein Wirkstoff, der mit Imodium AKUT zu vergleichen ist,  jedoch in der Anschaffung deutlich günstiger ist. Außerdem nehme ich nach Bedarf APLONA ein. Dabei handelt es sich um ein Pulver, das reines Pektin beinhaltet. Dieses entsteht, wenn man einen Apfel reibt und sorgt dafür, dass der Stuhl eindickt.

Derzeit nehme ich gegen 23.00 Uhr zwei Loperamid ein. Auf Aplona verzichte ich komplett, da ich versuche, die Wirkung durch geriebenen Apfel zu erreichen.

Ich ernähre mich wie folgt und habe damit bisher sehr gute Erfahrung gemacht:

Haferflocken, Bananen, geriebener Apfel, Mandelmus, Ciabattabrot, Pesto, Apfelchips, Pastagerichte, Misosuppe, Sushi, Reis, Goldhirse, reines Kakaopulver mit Wasser, gelbe Milch*, dunkle Schokolade (ab 70% Kakaoanteil), Kartoffeln, warmer Sake, Rotwein, Leinöl, Olivenöl und Schwarzkümmelöl.

Ein Hinweis zum Schwarzkümmelöl: Täglich sollte nur ein Esslöffel eingenommen werden. In Tierversuchen wurde festgestellt, dass es bei langfristiger Überdosierung zu Leber- und Nierenschäden kam.

Ich kann sagen, dass ich seit drei Tagen einen relativ ruhigen Darm habe, der es mir auch nach Nahrungsaufnahme ermöglicht, am sozialen Leben teilzunehmen. Den Sport weite ich derzeit aus und kann auch diesen, nach vorangegangener leichter Mahlzeit, durchführen, ohne gleich auf die Toilette zu müssen. In den letzten Tagen hatte ich bis abends 19.00 Uhr zwei Durchfälle. Ein Riesenerfolg.  Außerdem habe ich meine Arbeit wieder aufgenommen und kann dieser bisher problemlos nachgehen. Ich bin zuversichtlich, auch wenn ich weiß, dass es auch wieder andere Tage geben kann. Aber warum sollte dies passieren, wenn ich auf meinen Organismus höre?

Diese ganze Geschichte und die damit verbundenen negativen Erfahrungen, versetzen mich nun in Hochstimmung, da ich gelernt habe, auch die kleinen Erfolge wahrzunehmen und zu schätzen. Eine Lehre, die sich auch auf das sonstige Lebenskonzept auswirken könnte. Zur Zeit habe ich das Gefühl, dass ich auch mental stärker bin und ein modifiziertes Selbstbewusstsein geschenkt bekomme. Das Leben im Augenblick ist mir wichtig. Ich versuche, den Moment zu genießen. Das fällt mir noch schwer, jedoch weiß ich, dass ich auch dies lernen werde. Langfristige Pläne schmieden oder einen Ehrgeiz entwickeln, wie ihn die Gesellschaft definiert, spielen für mich keine Rolle. Ich spare kein Geld mehr, lege nichts mehr an, sondern haue das raus, was ich habe. Ich labe mich am Füllhorn der schönen Dinge, die uns das Leben schenken kann. Vielleicht ist das ein hedonistischer Ansatz, jedoch habe ich aus meinen vergangenen Erfahrungen die Lehre gezogen, dass das Leben viel zu kurz ist, um sich unnötigem Stress auszusetzen, der in der Regel jeder Grundlage entbehrt. Ich verbringe mehr Zeit mit Menschen, die mir etwas bedeuten, versuche mich von meinem Einsiedlerdasein teilweise zu verabschieden. Nicht ganz, denn ich liebe die Zeit, die ich mit mir selbst verbringen kann. Ich versuche, innere Ruhe durch Meditation zu gewinnen. Es gelingt mir bisher nur sehr bedingt. Meine Gedanken kommen nicht zur Ruhe. In meinem Kopf blitzen und sprühen die Emotionen, Vorstellungen und Visionen. Ich komme nur schwer in die absolute Entspannung. Aber auch das wird mir mit der Zeit gelingen.

Es ist gut, wie es ist.

Röschi

P. s.: Hier noch ein Link zur Herstellung der goldenen Milch:

 

Veröffentlicht von

Holger Röschmann

Geboren am 24.12.1965 in Eckernförde, Sternzeichen: Steinbock, Wohnhaft: Kiel, Zweijährige Ausbildung zum Psychologischen Berater Zweijährige Ausbildung zum Heilpraktiker, Ausbildung zum Psychologischen Berater (hier auch als Berater tätig gewesen), Keine Kinder, Hobbies: Sport, Yoga, Meditation, Lesen, viel Reisen, Blogger. Charakter: Querdenker, kommunikativ, vielseitig interessiert, offen.

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