Die 2. OP -Fortsetzung-

„Das gibt es doch nicht. Sie sind schon wach?“ Ich blicke in das erstaunte Gesicht eines freundlich dreinblickenden und lächelnden Pflegers. Wieder dieser Aufwachraum. Wenn ich nicht aufpasse, verspüre ich noch das Bedürfnis, hier einzuziehen. „Bin ich schon durch?“ „Schon ist gut. Sie wurden fünf Stunden operiert“. „Na komm schon“, dachte ich. „Dann berichte mir mal von den ganzen Komplikationen….!“ „Alles super verlaufen. Sie sehen auch gut aus. Haben ja richtig Farbe im Gesicht.“ „Ja, ich bin eher der mediterrane Typ“, entgegnete ich. Keine Schmerzen! Was war los? Ich verspürte keine Schmerzen, dafür hatte ich eine Erektion. Ich fragte den Pfleger, ob die Gabe von Viagra Bestandteil des Aufbauprogrammes sei. „Sie haben jetzt eine Erektion? Ich hoffe sehr, dass es nicht an mir liegt!“ Keine Impotenz. Der Weg war geebnet. Ich atmete tief durch. Nun erkundete ich meinen Bauch. Die Metzger hatten mir zwei weitere Schnitte verabreicht. Nun war meine Bauchmuskulatur an drei unterschiedlichen Stellen durchtrennt worden. Dennoch: Ich fühlte mich super, und ich hatte Energie. Nachdem ich den Pfleger herbeigerufen hatte, bat ich ihn, mir zu helfen. Ich wollte mich aufsetzen. Etwas skeptisch dreinblickend, reichte er mir seine Hand. Sogleich nahm ich von seinem gesamte Arm Besitz. Ich saß auf der Bettkante, hatte keinen Katheder, sondern lediglich eine Drainageleitung, die aus meinem Bauch herausführte. Diesmal auf der anderen Seite angebracht. Mein inkompetenter Sachverstand erkannte, dass sich nur wenig Flüssigkeit im Drainagebeutel befand. Ein gutes Zeichen. Die Wundheilung schien zu funktionieren. Ich machte mir die begründete Hoffnung, dass der Schlauch sehr schnell gezogen werden kann. Die Sitzposition gefiel mir. Kein Schwindel, keine Übelkeit. Von draußen erhellten Sonnenstrahlen den tristen Raum. Meine Laune stieg und ich überlegte, ob für mich die Gefahr eines Sonnenbrandes bestand. Ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da erschien der Pfleger. „Ich denke, wir können Sie auf die Station bringen. Wie fühlen Sie sich?“ „Top! Wenn Sie gestatten, gehe ich zu Fuß.“ „Nun drehen Sie mal nicht gleich durch! Sie werden abgeholt und liegend in ihr Zimmer geschoben.“ Tief in meinem Inneren, war ich damit einverstanden. Die folgenden drei Tage verbrachte ich damit, meine Erlebnisse niederzuschreiben, den Krankenschwestern mein Blut zu spenden und den Ärzten mein Ohr zu schenken. Die Blutwerte wurden stetig besser. Ich begann, leichte gymnastische Übungen zu machen, zu lesen und zu schreiben. Mein Stoma bereitete mir etwas Sorge. Der Prolaps (hervorstehender Darm) hatte im Vergleich eine unebene Beschaffenheit. Ich vermutete, dass es Probleme mit der Haltbarkeit meiner Stomaversorgung geben könnte. Eine Sorge, die sich im weiteren Verlauf noch in sehr nervtötender und unangenehmer Weise bestätigen sollte. Ich verließ das Krankenhaus und begab mich zu Fuß nach Hause. Hier schaltete ich, wie so oft, mein Mobiltelefon aus. Meinen minimalistisch gepackten Rucksack warf ich auf das Bett und legte mich sogleich, voll bekleidet, daneben. Ich schlief ein. Es klingelte an der Tür. Schlaftrunkend, meinen gefüllten Stomabeutel haltend, öffnete ich. Meine Mutter stand aufgelöst vor der Tür. „Junge! Die Klinik hat mich angerufen. Sie konnten Dich und Kasia nicht erreichen. Du sollst dort dringend erscheinen. Da ist etwas auf einem Röntgenbild entdeckt worden.“ „ Mit wem hast Du telefoniert? Haben die das konkretisiert?“ Irgendwie war ich ruhig. Ich ergriff den nicht ausgepackten Rucksack und bat meine Mutter, mich in die Klinik zu fahren. „Ich weiß nicht, wer mich angerufen hat! Er hat nichts weiter erzählt.“ Ich konnte ihr die starke Erregung ansehen und machte ihr keine Vorwürfe. Es war nur zu verständlich. So stand ich, ca. drei Stunden nach meiner Entlassung, wieder in der Notaufnahme.

Veröffentlicht von

Holger Röschmann

Geboren am 24.12.1965 in Eckernförde, Sternzeichen: Steinbock, Wohnhaft: Kiel, Zweijährige Ausbildung zum Psychologischen Berater Zweijährige Ausbildung zum Heilpraktiker, Ausbildung zum Psychologischen Berater (hier auch als Berater tätig gewesen), Keine Kinder, Hobbies: Sport, Yoga, Meditation, Lesen, viel Reisen, Blogger. Charakter: Querdenker, kommunikativ, vielseitig interessiert, offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*