Eine unerwartete Wende

Ich hatte mir alles so schön vorgestellt. Mein Lebenskonzept, minimalistisch zu leben und dennoch kontrolliert, selbstbestimmt und genussvoll zu konsumieren, funktionierte. Meine vielseitigen Interessen gaben mir das Gefühl, mein Leben sinnvoll zu gestalten. Zudem fühlte ich mich in meinem Körper sehr wohl. Beruflich hatte ich Schwierigkeiten, mich mit der Tätigkeit zu identifizieren und mich zu motivieren. Mein Glück war jedoch, dass ich hervorragende Kollegen hatte, mit denen ich gerne meine Arbeitszeit verbrachte. Auch die Chefetage war großzügig und tolerant. Sie ließen mir meine Freiheiten. Sie waren gesprächsbereit, wussten jedoch gleichzeitig, Grenzen zu setzen. Ich kannte meine Grenzen und schätzte das wohlwollende Verhalten. Demut und die Fähigkeit, vergeben zu können, waren Bestandteil meines Lebenskonzeptes geworden. Dabei will ich nicht verhehlen, dass auch hedonistische Gedanken und Träume mein Handeln bestimmten. Ich liebte mein Einzelgängerdasein, hatte verlässliche Freunde und mich mit meiner Mutter ausgesöhnt. So entstand das Gefühl, dass ich wusste, wer ich bin und was ich wollte. Der Acker des Lebens war geebnet und nun konnte ich die Saat, aus der eine neue Ausrichtung entstehen sollte, gedeihen. Meine Absicht war, aus meinem Leben ein kleines und überschaubares Abenteuer zu machen. Bis dahin reiste ich gerne und viel. Die Dauer beschränkte sich jedoch immer nur auf den Zeitraum des Jahresurlaubs. Schon lange reifte in mir der Wunsch, mich über einen längeren Zeitraum von den routinierten Abläufen in Deutschland zu verabschieden. Ich sehnte mich nach neuen Impulsen, Eindrücken und Erfahrungen. Hierfür hatte ich mich von vielen eingefahrenen Denkmustern und für mich überflüssigen materiellen Gütern getrennt. Ich passte meinen Lebensstil diesem Ziel an, um Geld anzusparen. Meine Erfahrungen, die ich durch mein minimalistisch ausgerichtetes Konzept gesammelt hatte, ermöglichte es mir, mich immer leichter von materiellen Besitztümern zu befreien. In dem Film „Fight Club“ gab es einen Satz, der mich prägen sollte: „Alles, was Du besitzt, wird Dir irgendwann einmal Schmerzen bereiten!“ So entschloss ich mich, meine Eigentumswohnung zu verkaufen und mich von weiterem überflüssigen Zeugs zu befreien. Klamotten, die ich nicht mehr trug, schenkte ich der Obdachlosenhilfe. Einige Möbel verkaufte oder verschenkte ich. Schließlich hatte ich nur noch Dinge, die ich auch tatsächlich nutzte. Einen, noch bestehenden Kredit, löste ich ab. Ein unglaubliches Gefühl der Befreiung stellte sich bei mir ein, denn nun war ich auch noch schuldenfrei. Ein Zustand, den ich zuvor noch nie in meinem Leben kennengelernt hatte. Schließlich setzte ich meinen Plan um. Ich beantragte bei meinem Arbeitgeber einen unbezahlten Sonderurlaub. Er sollte 10 Monaten dauern. Die Tatsache, dass der Antrag in kürzester Zeit positiv beschieden wurde, zeigte mir abermals, dass ich auf der Sonnenseite des Lebens stand und ich mich sehr glücklich schätzen konnte, mit solchen Begleitumständen gesegnet zu sein. Alles in allem war ich bereit, für Abenteuer, für neue Inspiration, motiviert, mein Leben auf noch gesündere Füße zu stellen. Ich beabsichtigte, mich in Indien, im Bundesstaat Kerala, mit ayurvedischer Heilung und Ernährung auseinanderzusetzen. Ich wollte am eigenen Leib Therapieformen kennenlernen, die geeignet sind, meinen Körper zu entgiften und so die schubfreie Zeit auf unbestimmte Dauer oder auf ewig auszudehnen. Eine Autoimmunerkrankung durch gesunden Lebenswandel und einer auf sich abgestimmten Lebensführung und -philosopie zu heilen. Ja, diese naive Vorstellung hatte ich. Auch hatte ich bereits konkrete Vorstellungen davon, in welchem Aschram ich für diese Zwecke absteigen wollte. Es war spärlich eingerichtet; die Zimmer, meistens Doppelbelegung, sowie die Bäder mussten selbst gereinigt werden. Mich erden, erneuern und gesunden – das war mein Ziel. Zu diesem Zeitpunkt war ich körperlich und mental topfit. Es war ein Gefühl, dass ich genoss, da ich spürte, dass meine Lebensweise meinem Organismus und insbesondere meinem Darm ausgesprochen guttat. Ich ernährte mich von biologisch-regional angebauten Lebensmitteln, versuchte, so gut es ging, auf Zucker zu verzichten, meditierte und trieb moderaten Sport. Es fiel mir jedoch schwer, Hass, den ich gegenüber bestimmten Menschen empfand, zu verarbeiten und diesem Gefühl mit Gelassenheit zu begegnen. Außerdem machte mir mein Beruf keinen Spaß. Umso mehr hatte ich das Gefühl, dass diese Auszeit für mich zum rechten Zeitpunkt kam, um meinem Leben eine neue Richtung zu verleihen und neue Orientierungspunkte zu setzen. Um diese Reise durchführen zu können, war es allerdings auch ratsam, sich von meiner kritischen Einstellung zum Impfen zu distanzieren. So sollte meine Reise in Südamerika beginnen. Wer bereits einmal dort war, wird wissen, dass es grundsätzlich erst einmal nicht möglich ist, in ein Land dieses Kontinents zu reisen, ohne den Nachweis einer Gelbfieberimpfung zu erbringen. Voraussetzung ist natürlich, dass man aus einem Gelbfieberland einreist. Weiterhin sollte mich meine Tour in Länder führen, die von Cholera, Tollwut und Diphtherie heimgesucht werden. Nach Eigenrecherche hinsichtlich der Verträglichkeit mit einer CED, entschied ich mich, die Impfungen durchführen zu lassen, da der Wunsch, diese Reise anzutreten, sehr ausgeprägt war und ich Risiko und Nutzen abwog. Von meinem Arzt wusste ich, dass er ein absoluter Impfbefürworter ist. Im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass mir mein ehemaliger Arzt die Reise, aufgrund meiner Vorerkrankung, ausgeredet hätte. Auch er stand dem Impfen nahe, war jedoch umsichtiger, pragmatischer und in jedem Fall kompetenter.

Veröffentlicht von

Holger Röschmann

Geboren am 24.12.1965 in Eckernförde, Sternzeichen: Steinbock, Wohnhaft: Kiel, Zweijährige Ausbildung zum Psychologischen Berater Zweijährige Ausbildung zum Heilpraktiker, Ausbildung zum Psychologischen Berater (hier auch als Berater tätig gewesen), Keine Kinder, Hobbies: Sport, Yoga, Meditation, Lesen, viel Reisen, Blogger. Charakter: Querdenker, kommunikativ, vielseitig interessiert, offen.

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